Reformation, Desinfektion und eine klare Botschaft

Am vergangenen Samstag fand einmal wieder die traditionelle Posaunenfeierstunde des Posaunenchors Balingen & Heselwangen gemeinsam mit
Bezirkskantor Wolfgang Ehni zum Reformationstag statt. Doch dieses Jahr war in der Stadtkirche in
Balingen vieles anders als in den Jahren zuvor.

Unter strengsten Hygienevorschriften wurde weder zusammen gesungen, noch konnte die Kirche nur im Ansatz voll belegt werden. Es herrschte eine Maskenpflicht für alle Zuhörer, die während der eigentlich gemeinsamen Gemeindelieder den Text nur leise mitsummen konnten, sowie ein allgemeinen Abstandsgebot. Aufgrund dessen nahmen die Musiker auch auf der Empore und nicht wie üblich vor dem Altar Platz. Selbstverständlich mit ausreichendem Abstand. Alles in allem war es eine außergewöhnliche Szenerie, die sich am frühen Samstagabend in der Stadtkirche bot.


Auch die Vorbereitung auf das Konzert war komplizierter als in den Jahren zuvor. Die Proben in den Sommermonaten fanden ausschließlich im Freien auf der Grünfläche neben der Heselwanger Kirche statt. Als dann die Lichtverhältnisse schlechter wurden, zog man ins Gemeindehaus nach Balingen um, wo man dann den kompletten Raum nutze um auch hier einen genügenden Abstand zu gewährleisten.
Doch trotz aller widrigen Umstände gestaltete der Posaunenchor seine Feierstunde auch als solche. Von modernen bis traditionellen Klängen war alles dabei. So wurde beispielsweise Martins Luthers Reformationsklassiker „Ein feste Burg ist unser Gott“ in einer neueren, filmmusikähnlichen Version von Christian Sprenger vorgetragen. Begonnen wurde mit der stimmungsvollen „Fanfare Esprit“, die als „Geistvolle Fanfare“ übersetzt werden kann. Diesem Geist stünden laut Pfarrer Alexander Kupsch, der die Lesungen zwischen den Stücken hielt, die Tore offen. Der Tenor war klar deutlich: man solle in der aktuellen Zeit nicht die Hoffnung verlieren. Unterstrichen wurde dies unter anderem durch Lieder wie „Lege deine Sorgen nieder“ und dem Schlusssong „Ich möcht´, dass einer mit dir geht“. So ist vor allem ersteres mit seiner ruhigen Art und seinem besänftigen Text ein Lied, das Hoffnung und Zuversicht schafft. Aber auch Hanns Köblers „Ich möchte´, dass einer mit dir geht“ ist ein Lied, dass Gottes ständige Bereitschaft klar macht, vor allem mit der Zeile „er will durch Leid und Freuden mich geleiten“. Daneben wurde das Bekenntnis zu Gott unter anderem mit „Wir glauben Gott im höchsten Thron“, das einem modernen Glaubensbekenntnis gleicht. Ähnlich ergeht es mit dem Stück „Jesus bleibet meine Freude“. Auch Bezirkskantor Wolfgang Ehni bereicherte die Veranstaltung mit seinen Orgelklängen aus „Carillon de Westminster“, das den Glocken von Big Ben nachempfunden ist. Die Hoffnung und Zuversicht sprang letztendlich erfolgreich auf die Zuhörer über, die sich sehr über die letzte Veranstaltung vor dem Lockdown freuten. Unterstützung bekam der Posaunenchor von Gastbläsern aus Hochdorf, Brackenheim und Ostdorf.


Gefeiert wurden auch noch einige Jubilare in den eigenen Reihen. Jonathan Stengel wurde für zehn, Markus und Daniel Schmalzl für 20 Jahre treuen Einsatz in der Posaunenarbeit geehrt. Für 25 Jahre Engagement in der Chorleitung wurde Dirigent Jürgen Stengel ausgezeichnet. Durchgeführt wurden die Ehrungen von Bezirksposaunenwart Martin Benzing.


Alles in allem war es eine ungewöhnliche, aber trotzdem äußerst gelungene Feierstunde des Posaunenchors, die sicher noch lange in Erinnerung der Künstler und Zuhörer bleiben wird.