In seiner letzten Predigt am 23. Februar 2020 in der Stadtkirche verabschiedete sich Pfarrer Oliver Saia nach zweijährigem Dienst von Balingen. Ab März 2020 übernimmt er die Pfarrstelle in Haigerloch und bleibt somit dem Kirchenbezirk Balingen erhalten.

Abschied von Pfarrer Oliver Saia

Wer in der Überschrift eine Zeile aus dem Lied der Band Silbermond erkannt hat – vielleicht sogar ein paar Zeilen des Liedes mitsummen kann, der weiß welche Sehnsucht hinter so einer Bitte steckt. Aber nicht nur Silbermondhörer kennen das Gefühl, um das es auch am kommenden Sonntag geht. Dieser trägt den klingenden Namen Estomihi – was zwar Finnisch anmutet, aber Lateinisch ist und die Anfangsworte eines uralten biblischen Gebets sind: Herr, sei mir ein starker Fels! Ein Ausdruck tiefster Sehnsucht nach Beständigkeit in einer Welt, die – vielleicht noch mehr als unsere heutige Zeit – von Verlust geprägt war. Aber auch heute wollen und brauchen Menschen Verlässlichkeit. Unser Leben ist im Vergleich zu biblischen Zeiten sicherer und mehr vom Wohlstand geprägt; aber Abbrüche, Umbrüche und Verluste erleben wir nach wie vor – sie nehmen vielleicht sogar gefühlt zu. Und mancher fragt sich: Auf wen, auf was kann ich mich verlassen?

Der Glaube an Jesus ist so eine Sache, bei der es genau darum geht: Sich verlassen zu können. Die ersten Jünger wurden mit einfachen Worten zu Jüngern. Keine Passkontrolle, kein Bewerbungsgespräch. Nur: „Folge mir nach.“ Bestimmt war es nicht nur Abenteuerlust oder Ruhmphantasie, sondern eine Art Gewissheit: Jesus folgen heißt: Sich auf ihn verlassen können. Aber es bedeutete eben auch für die Jünger, viele Sicherheiten hinter sich zu lassen; die Komfortzone zu verlassen.
 
Und Jesus spitzt diese Sache sogar noch zu und sagt: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst! Selbstverleugnung? Das tut weh. Das fällt in Zeiten von instagram, twitter und selfie-mode ziemlich aus der Reihe. Aber ich glaube, gerade auch heute steht uns Menschen so etwas „aus der Zeit Gefallenes“ ganz gut:

Denn wo ich mich auf Gott verlasse, ihm folge, da verlieren meine vermeintlichen Sicherheiten ein bisschen Macht über mich: Mein Hab und Gut, meine Gesundheit, mein mehr oder weniger selfietaugliches Äußeres. Nichts davon habe ich ewig und sicher in der Tasche. Aber alles davon kann und möchte mich ein bisschen definieren – wie ich es eben zulasse. Nur: Nichts davon bleibt sicher.  Ein Unfall, eine Trennung, eine Krankheit kann alles verändern! Wer definiert mich dann – und zu was?

Was zunächst also riskant oder selbstaufopfernd anmutet, kann für mich auch heißen: Ich verlasse mich – und das, was mich definieren möchte. Und ich verlasse mich auf Gott, der mich schon so als Mensch sah, bevor ich etwas hatte oder konnte – bevor Dinge oder Stellungen mich zu etwas definieren konnten. So kann ich auch ehrlich und echt auf Menschen zugehen, die vom Leben vermeintlich anders definiert wurden: Zu Ausgegrenzten, zu Ausgelachten, Teilhabelosen – sehe in ihnen, was Gott in mir sieht: Sein geliebtes Kind.
Gib mir irgendwas das bleibt… Das bleibt!